Fakten rund um das Thema Autismus

Autismus / Au·tịs·mus

Autismus / Au·tịs·mus Substantiv [der] a̱u̱ˈtɪsmʊs/
 
Definition: Autismus, vom griechischen abgeleitet (αὐτός autós
„selbst“) ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. In der Regel tritt Autismus vor dem dritten Lebensjahr auf und wird als Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert. Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) kurz ICD-10 teilt das Spektrum in drei Bereiche auf:
  • Frühkindlicher Autismus
  • Asperger Syndrom
  • atypischer Autismus
Fakten rund um das Thema Autismus:

Die häufigsten Merkmale bei betroffenen mit Autismus-Spektrum-Störung sind:

  • Problemen im sozialen Umgang (z. B. beim Verständnis und Aufbau von Beziehungen)
  • Auffälligkeiten im Bereich der Kommunikation (sprachliche und nicht-sprachliche Verständigung)
  • eingeschränkten Interessen mit stereotypen, sich wiederholenden Verhaltensweise

Aufgrund der Einschränkung benötigen viele Autisten eine lebenslange Unterstützung bzw. Betreuung.

Autismus Spektrum Störung

Fakten rund um das Thema Autismus. Die [Autismus / Au·tịs·mus] Autismus-Spektrum-Störungen sind tiefgreifende Entwicklungsstörungen, die unter anderem durch ein reduziertes Interesse an sozialen Kontakten sowie dem Verständnis sozialer Situationen gekennzeichnet sind. Hinzu kommen auch sprachliche Einschränkungen und Besonderheiten, vor allen in der Sprachlichen Entwicklung, aber auch der pragmatischen Anwendung von Sprache vor. Innerhalb der Autismus-Spektrum-Störungen gibt es unterschiedliche Schweregrade in Bezug auf Symptome und Ausprägungen.

Diese Erkrankungen können bis Dato nicht ursächlich behandelbar werden, allerdings können gezielte Therapien die Beeinträchtigungen reduziert werden insbesondere bei sozialen Interaktionen. Hier kann die Kommunikationsfertigkeiten deutlich gesteigert werden, sowie stereotypische Verhaltensweisen und psychische Begleiterkrankungen (komorbide psychische Störungen) relativ gut behandelt werden.

Fakten rund um das Thema Autismus und Autismus-Spektrum-Störung. Autismus und Autismusstöhrung Teilhabe Gleichstellung Behinderung.

In der im Mai 2013 herausgegebenen Version des DSM, der DSM-5 wurden die Autismus-Spektrum-Störungen in eine Kategorie zusammengefasst. Jedoch mit unterschiedlichen Schweregraden.

Autismus äußert sich somit nicht in einem oder wenigen einzelnen Merkmal was die Übergänge zwischen den autistisch und nichtautistischen Merkmalen und Definitionen fließend macht. Autismus ist und bleibt ein Spektrum, dass zwar alle autistischen Menschen bestimmte Merkmale aufweisen, aber keiner wie der andere ist. Somit kann die Ausprägung der Autismus Spektrum Störung bei manche Betroffenen stärker ausgeprägt sein als bei anderen. Von Autismus spricht man daher erst, wenn genug „Symptome“ des Spektrums vorhanden und ausgeprägt sind.

Die Geschichte von Autismus

Autismus Lebt - Eugen BleulerEugen Bleuler: Der Begriff Autismus wurde erstmals von dem schweizer Psychiater Eugen Bleuler um das Jahr 1911 im Rahmen seiner Forschungen zur Schizophrenie geprägt. Ursprünglich bezog Er den Begriff Autismus nur auf diese Erkrankung mit dem Ziel eines ihrer Grundsymptome zu beschreiben. Die Zurückgezogenheit in eine innere Gedankenwelt. Zur damaligen Zeit verstand Eugen Bleuler unter Autismus „die Loslösung von der Wirklichkeit zusammen mit dem relativen oder absoluten Überwiegen des Binnenlebens.“ (Originalzitat von Eugen Bleuler)

Autismus Lebt Sigmund FreudSigmund Freud: Später übernahm Sigmund Freud (1856-1939) die Begriffe „Autismus“ und „autistisch“ von Eugen Bleuler und setzte sie annähernd mit „Narzissmus“ bzw. „narzisstisch“ gleich, als Gegensatz zu „sozial“. Die Begrifflichkeit von Autismus  hat sich in der Zeit gewandelte. Vom „dem Leben in einer eigenen Gedanken- und Vorstellungswelt“ hin zu „Selbstbezogenheit“ in einem allgemeinen Sinne.

Autismus Lebt Leo KannerLeo Kanner:, Nach Freud ist Leon Kanner zu nennen, ein aus Österreich stammender Kinderarzt. Er beschrieb 1943 in seinem Artikel „Autistische Störungen des affektiven Kontakts“ eine Studie über 11 Kinder mit ausgeprägten Defiziten im sozialen und kommunikativen Bereich. Die Kinder wiesen zudem  restriktiven und repetitiven Verhaltensweisen aus.  Kanner schildert den Mangel an dem Bedürfnis nach Kontakt zu anderen Menschen und die Unfähigkeit Beziehungen zu Menschen aufzunehmen. Die Arbeit von Leo Kanner enthielt zwar prägnante Beschreibung des frühkindlichen Autismus, jedoch ging er auch von einigen Fehlannahmen aus. Leo Kanner hat seine Definitionen über Autismus öfter revidieren müssen da sich seine Annahmen als falscher erwiesen. zuletzt vertrat er die Meinung das Autismus eine  genetischen Verursachung hat.

Autismus Lebt Hans AspergerHans Asperger, war der Erstbeschreiber des nach ihm benannten Syndroms. Er war Direktor der Universitäts-Kinderklinik in Wien und hatte den Lehrstuhl für Pädiatrie inne. 1944 veröffentlichte er eine Artikel im Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten. In diesem Artikel zeigte er an Hand von vier Jungen das später nach Ihm benannte Asperger Syndrom auf. Hierbei erfasste er die Symptomatik, die bislang nicht definiert waren, unter dem Begriff „autistische Psychopathie“ zusammen. Wichtig ist zu erwähnen das Hans Asperger die Schriften von Leo Kanner nicht kannte. Erst Jahre später (1979) setzte er sich mit dessen Arbeit auseinander. Hans Asperger betonte in einem späteren Artikel die Gemeinsamkeiten der beiden Störungen, zeigt aber auch die Unterschiede auf und war dadurch der Ansicht, dass es sich um zwei verschiedene Störungsbilder handeln musste.

Autismus Lebt Lorna WingLorna Wing: Im Jahr 1981 wurden Aspergers Arbeiten von Lorna Wing aufgegriffen und Sie untersuchte selbst 35 Kinder hinsichtlich der Diagnose Asperger-Syndrom. Ihre Arbeit kann man als Startschuss zu einer ausführlicheren Beschäftigung mit dieser Störung zählenMehr als zehn Jahre später, im Jahr 93/94 wurde die Störung in den gängigen Diagnosesystemen ICD-10 und DSM-IV aufgenommen. Autismus wird neben einigen anderen Störungen zu den „tiefgreifenden Entwicklungsstörungen“ gezählt.

Der Welt-Autismus-Tag

#AutismDay2018

Seit 2008 findet regelmäßig am 2. April des Jahres der „Internationale Welt-Autismus-Tag“ satt. Der Wet-Atismus-Tag wurde auf initiative der Vereinten Nationen ins Leben gerufen. Das Motto 2018 lautet wie im Jahr 2017 bereits:

Gemeinsam Barrieren aufbrechen für Autismus
Teilhabeschranken abbauen!

Im Jahr 2015 beteiligten sich Weltweit zahlreiche (142) Länder und strahlten am 2.April 2015 Sehenswürdigkeiten und Öffentliche Gebäude (insgesamt 18602 Gebäude) blau an. Blau als Farbe für Autismus sollte weltweit aufmerksam machen. Autismus ist immer noch nicht im kollektiven Bewusstsein definiert und aufgenommen, was es zu ändern gilt. Aufgrund anhaltender öffentlicher Diskussion wird die Kampagne von 2017 fortgesetzt.  Auf europäischer Ebene, sowie in einzelnen Ländern, wurde somit beschlossen, die Kampagne zum Welt-Autismus-Tag 2017 im Jahr 2018 weiter zu führen.

Aktuell wird vor der Europäischen Kommission in Brüssel der „European Accessibility Act“ verhandelt, der es Menschen mit Beeinträchtigungen ermöglichen soll schrankenlose Teilhabe im öffentlichen Leben ermöglichen soll. In diesem Zusammenhang macht sich Autism Europe und Autismus Deutschland für die uneingeschränkte Teilhabe von Menschen mit Autismus stark und möchte die Öffentlichkeit für die Teilhabeschranken von Menschen mit Autismus sensibilisieren.

Ein Standpunkt der auch von Autismus Lebt unterstützt wird. Autismus Deutschland ruf daher auf sich an der Kampagne von Autism Europe beteiligen, indem Sie auf bestehende Teilhabeschranken von Menschen mit Autismus über die sozialen Medien aufmerksam machen.

Autismus

Was Autismus nicht ist

Manchmal ist es einfacher das zu definieren was Autismus nicht ist anstelle die vielschichtigen Formen von Autismus bis ins kleinste Detail zu beschreiben. Viel wichtiger ist es, mal zu sagen, was Autismus NICHT ist:

Autismus ist keine Krankheit.
Autismus ist eine Art zu sein, eine Wesensart, ein Naturell. Experten sprechen von Menschen im „Autismus Spektrum“. Dies umfasst sowohl das Asperger-Syndrom, den atypischen Autismus und den frühkindlichen bzw. den Kanner-Autismus. Heutzutage weiß man, dass man das häufig gar nicht so klar abgrenzen kann, weswegen man nun meinst vom Autismus-Spektrum spricht.

Autismus ist nicht psychisch bedingt.
Autismus ist angeboren. Autisten haben eine alternative Gehirnstruktur, eine ungewöhnliche neurologische Verdrahtung, eine andere Art der Wahrnehmungsverarbeitung.

Alle Autisten sind  genauso unterschiedlich wie Nichtautisten.
Kennst du EINEN Autisten, dann kennst du genau EINEN Autisten.

Autismus ist keine Folge von emotionaler Vernachlässigung, emotionalem Stress oder Traumata.

Immer noch hält sich die falsche These, die in den 50er Jahren entstand, als Müttern standardmäßig die Schuld daran zugeschoben wurde, wenn ihre Kinder nicht so waren, wie die Gesellschaft das wünschte. Ein nicht-autistisches Kind kann man so schlecht erziehen, wie man will, es wird nie autistisch werden.

Autismus „wächst sich nicht aus“
Aus autistischen Kindern werden autistische Erwachsene. Diese autistischen Erwachsenen haben im Laufe der Zeit gelernt, zu kompensieren und fallen daher oft weniger auf als autistische Kinder.

Man erkennt Autisten nicht an ihrem Äußeren.
Autistische Menschen sehen aus wie du und ich. Ganz normal eben.

Die wenigsten Autisten sind Genies.
Der Eindruck, dass die meisten Autisten Genies sind entsteht, weil autistische Genies besonders eindrucksvoll sind. Wie bei Nichtautisten gibt es solche und solche: Einige Autisten lernen sehr schnell, andere brauchen länger. Jeder hat seine individuellen Begabungen und Schwächen.

Autisten wollen  soziale Kontakte und haben vielfältige Gefühle.
Oft scheitert der soziale Kontakt daran, dass Autisten und Nichtautisten keine gemeinsame Sprache finden. Viele autistische Menschen wollen gern Kontakt zu anderen, wissen aber nicht, was eine sozial angemessene Art der Kontaktaufnahme sein könnte. Andere autistische Menschen wollen keinen Kontakt zu anderen Menschen. Wie alle Menschen wollen auch Autisten selbst auswählen, mit wem sie wann wie ihre Zeit verbringen, und wann sie lieber allein sind. Autistische Menschen haben Gefühle für andere Menschen, auch wenn man ihnen diese nicht immer unbedingt anmerkt. Viele von ihnen führen zufriedene Freundschaften, Partnerschaften und gründen Familien.

Autisten können eine normale Schule besuchen.
Die meisten autistischen Kinder und Jugendlichen besuchen Regelschulen, können aber vielfach nicht ihr Potential entfalten, weil sie anders lernen und eine andere – ruhigere –  Lernumgebung bräuchten. Viele Autisten werden mittlerweile von einer Integrationsfachkraft in der Schule unterstützt, damit sie ihr volles Potential entfalten können.

Autistische Menschen können ein eigenständiges Leben führen.
Normalbegabte autistische Menschen können sehr gut ein eigenständiges Leben führen. Manche von Ihnen brauchen viel Unterstützung von anderen, andere leben gänzlich ohne spezielle Unterstützung.

Autismus und Hochsensibilität

Hochsensibilität kann bei Autisten überdurchschnittlich ausgeprägt sein. Als Beispiel das Wahrnehmen der Umwelt. Viele details und Wahrnehmungsreize werden ungefiltert aufgenommen, hierzu gehören das sehen von sehr vielen Details, das aufnehmen von allen Geräuschen oder Interaktionen von anderen Menschen. Dies kann schnell zu Gefühlen der Überforderung kommen und in sozialen Bereichen schnell zu schwierigen Situationen führen. Häufige Abneigung gegen Smalltalk, und vieles mehr sind keine Seltenheit! 

Autismus und Freundschaft

Nicht selten haben Personen mit der Diagnose Autismus-Spektrum-Störung Probleme Freundschaften aufzubauen und vor allem langfristig zu halten. hingegen können einmal gefundene Freundschaften Jahrzehnte lang halten und sich als tiefe Beziehung herausstellen. Voraussetzung ist ein hohes Maß an Verständnis, Toleranz und Einfühlungsvermögen beider Seiten. Nicht selten fällt es Autisten schwer Gefühle nach außen zu transportieren. So kann es unter umständen schwierig sein für einen Autisten wirkliche Freundschaft auch in Gesten, Sprache und Handlungen umzusetzen.

Autismus Lebt Logo Footer

Autismus Lebt ist eine caritative Initiative für Gleichstellung und Soziales speziell für den Bereich Autismus. Sinn und Zweck ist es ein Bewusstsein für und mit dem Umgang von Autisten zu schaffen. Im Mittelpunkt stehen besonders die Bereich Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe im Leben. 

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